AmazonAutomatisches PricingPreisstrategien
Amazon-Preisstrategie: Leitfaden für Händler auf Amazon.de

Auf Amazon sieht der Käufer auf derselben Produktseite Ihren Preis und die Preise aller anderen Verkäufer. Wenige Cent Unterschied können entscheiden, wer den Verkauf macht.
Eine Amazon-Preisstrategie legt für jedes Produkt drei Dinge fest: einen rentablen Mindestpreis (Einkauf, Amazon-Gebühren und Versand), die angestrebte Position gegenüber den Wettbewerbern (günstiger, gleich oder teurer) und Regeln, wie Sie auf deren Preisänderungen reagieren. Ohne diese berechnete Untergrenze endet der Kampf um die Buy Box in Verlusten.
Amazon-Preisstrategie: das Wichtigste in Kürze
- Als Drittanbieter legen Sie Ihren Preis selbst fest. Amazon bestimmt ihn nicht, aber die Systeme von Amazon entscheiden, wer die Buy Box erhält (auf Amazon.de „Hervorgehobenes Angebot“ genannt), und können Angebote ausblenden, deren Preise Amazon für überhöht hält.
- Bevor Sie in den Preiswettbewerb gehen, berechnen Sie Ihren Mindestpreis: den niedrigsten Preis, der nach Mehrwertsteuer, Verkaufsgebühr, Versand und Einkaufspreis noch den nötigen Gewinn lässt. Im Beispiel dieses Leitfadens bringt ein Produkt für 29,99 € einen Gewinn von 5,20 €. Wenn Sie mindestens 2 € pro Stück verdienen wollen, sollte der Preis nicht unter 25,35 € fallen (die Gewinnschwelle liegt bei 22,45 €).
- Die vier üblichen Strategien sind Niedrigpreise, Hochpreise, wettbewerbsorientierte Preise und Dynamic Pricing. Welche passt, hängt davon ab, ob Sie sich eine Produktseite (ASIN) mit anderen Verkäufern teilen oder eine eigene Marke verkaufen.
- In der Europäischen Union muss eine Preisermäßigung gegenüber dem niedrigsten Preis der letzten 30 Tage angegeben werden. Den Preis erst anzuheben und dann zu „reduzieren“, funktioniert deshalb nicht.
Wie funktioniert der Preisalgorithmus von Amazon?
Den Preis eines Drittanbieters legt nicht Amazon fest, sondern jeder Verkäufer selbst in Seller Central. Die Algorithmen von Amazon wählen aus, welches Angebot in der Buy Box erscheint, prüfen, ob Preise überhöht sind, und passen die Preise der Produkte an, die Amazon selbst als Händler verkauft. Das sind manchmal genau die Produkte, die auch Sie anbieten.
Welche Faktoren beeinflussen die Preise auf Amazon?
- Wettbewerb: Auf Amazon können mehrere Verkäufer dasselbe Produkt auf einer einzigen Produktseite (ASIN) anbieten. Der Käufer vergleicht Gesamtpreis, Lieferzeit und Bewertungen, ohne die Seite zu verlassen. Maßstab für Ihren Preis sind deshalb die Angebote der anderen Verkäufer dieser ASIN.
- Angebot und Nachfrage: Ist die Nachfrage hoch und haben nur wenige Verkäufer Bestand, steigt der Preis tendenziell. Kommen viele Verkäufer mit demselben Produkt hinzu, sinkt er in der Regel bis zur Marge des Verkäufers mit den niedrigsten Kosten.
- Kosten und Gewinnmarge: Der Preis muss den Einkaufspreis, die Amazon-Gebühr und den Versand (eigener Versand oder Versand durch Amazon) decken und noch Gewinn lassen. Die Verkaufsgebühr sinkt mit dem Preis, Einkauf und Versand dagegen nicht. Eine Preissenkung um 10 % kann deshalb deutlich mehr als 10 % Ihres Gewinns kosten.
Diese Gebühren wiegen für einen gewerblichen Verkäufer auf Amazon.de am schwersten. Die Beträge ändern sich häufig. Prüfen Sie sie vor der Kalkulation auf der Gebührenübersicht von Verkaufen bei Amazon.
| Amazon-Gebühr | Berechnung | Richtwert |
|---|---|---|
| Verkaufsgebühr | Prozentsatz des Gesamtpreises, einschließlich Mehrwertsteuer und Versandkosten | Je nach Kategorie, meist zwischen 8 % und 15 %, in vielen Kategorien mit einer Mindestgebühr von 0,30 € pro Artikel |
| Verkaufstarif Professionell | Feste Monatsgebühr, unabhängig von der Zahl der Verkäufe | 39 € pro Monat zzgl. MwSt. |
| Verkaufstarif Einzelanbieter | Betrag pro verkauftem Artikel, ohne Monatsgebühr | 0,99 € pro Artikel zzgl. MwSt. |
| Versand durch Amazon (FBA) | Gebühr pro versandter Einheit nach Größe und Gewicht, dazu monatliche Lagergebühren | Abhängig von Produktart, Größe und Gewicht |
Was prüft der Algorithmus?
- Laufende Preisänderungen: Die Preise von Amazon als Händler und die vieler Verkäufer mit automatischen Tools ändern sich häufig, manchmal mehrmals täglich. Ein Preis, der morgens wettbewerbsfähig war, ist es am Nachmittag vielleicht nicht mehr. Deshalb sollten Sie die Preisänderungen der Wettbewerber regelmäßig verfolgen.
- Preisverlauf: Amazon vergleicht Ihren aktuellen Preis mit den jüngsten Preisen des Produkts auf Amazon und außerhalb von Amazon. Nach der Richtlinie zur angemessenen Preisgestaltung kann ein Preis deutlich über diesen Referenzen dazu führen, dass Sie die Buy Box verlieren oder Ihr Angebot nicht mehr angezeigt wird. Ein stimmiger Preisverlauf vermeidet solche Sperren.
- Kundenverhalten: Amazon nutzt Such-, Navigations- und Kaufdaten, um zu entscheiden, welche Produkte empfohlen und welche Angebote hervorgehoben werden. Eine Produktseite mit guter Conversion verkauft mehr, und die Verkäufe beeinflussen die Sichtbarkeit in der Amazon-Suche.
Die Buy Box, auf Amazon.de „Hervorgehobenes Angebot“, ist das Kauffeld neben der Schaltfläche „In den Einkaufswagen“. Amazon vergibt es unter anderem nach Gesamtpreis (Produkt plus Versand), Lieferzeit und Versandart, Lagerbestand und den Leistungskennzahlen des Verkäufers. Die Faktoren im Detail erklärt der Leitfaden So funktioniert die Amazon Buy Box (auf Englisch).
Welche Preisstrategien nutzt Amazon selbst?
Amazon kombiniert als Händler mehrere Preisstrategien. Wer sie kennt, kann die Preisbewegungen von Amazon besser einschätzen, wenn er beim selben Produkt gegen Amazon antritt.
| Strategie von Amazon | So funktioniert sie | Was sie für Sie als Verkäufer bedeutet |
|---|---|---|
| Dynamische Preisanpassung | Amazon ändert die Preise der eigenen Ware nach Nachfrage, Wettbewerb und Lagerbestand | Verkauft Amazon dieselbe ASIN, ist der Amazon-Preis eine Referenz, die sich häufig bewegt und die Sie verfolgen sollten |
| Preisabgleich (Match Pricing) | Amazon richtet die eigenen Preise auch an den Preisen anderer Shops für dasselbe Produkt aus | Ihr Preis wird auch mit Ihrem eigenen Onlineshop und anderen Shops verglichen und nicht allein mit Amazon |
| Zeitlich begrenzte Angebote und Rabatte | Blitzangebote, Prime Day, Black Friday und Cyber Monday bündeln die Nachfrage auf bestimmte Tage | Härterer Preiswettbewerb an diesen Tagen, deshalb Bestand und Rabatte frühzeitig planen |
| Personalisierte Angebote | Amazon entscheidet anhand von Kauf- und Suchverlauf, welche Angebote, Coupons und Empfehlungen ein Kunde sieht | Mit Coupons und Prime-exklusiven Angeboten erreichen Sie bestimmte Kundengruppen, ohne den Preis für alle zu senken |
| Spar-Abo | Rabatt für Kunden, die regelmäßige Lieferungen eines Produkts einrichten | Wiederkehrende Verkäufe bei Verbrauchsartikeln, wenn die Marge mit dem Rabatt vorher durchgerechnet ist |
Die Strategien von Amazon sollen den Eindruck niedriger Preise aufrechterhalten. Ein Drittanbieter muss sie nicht alle übernehmen. Er sollte aber wissen, dass er in einem Umfeld verkauft, in dem sich Preise häufig ändern und Käufer mit wenigen Klicks vergleichen.
Markt recherchieren und Wettbewerber analysieren
Wer einen Preis auf Amazon festlegt, ohne auf die Wettbewerber zu schauen, legt ihn blind fest. Im ersten Schritt klären Sie, wer dasselbe oder ein gleichwertiges Produkt verkauft und zu welchem Gesamtpreis.
Vergleichbare Produkte auf Amazon finden
Vergleichbare Produkte sind die, die der Käufer als Alternative zu Ihrem betrachtet: dieselbe ASIN bei anderen Verkäufern und Produkte anderer Marken, die denselben Bedarf decken. So finden Sie sie:
- Suchen Sie auf Amazon nach den Suchbegriffen, die Ihre Käufer verwenden würden, und notieren Sie die Ergebnisse der ersten Seite.
- Gehen Sie die Kategorien und Unterkategorien durch, in denen Ihr Produkt erscheint, und prüfen Sie den Verkaufsrang.
- Prüfen Sie auf Ihrer Produktseite und auf den Seiten der Wettbewerber die Blöcke mit ähnlichen Produkten und „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch“.
Mit dieser Liste sehen Sie die Preisspanne Ihrer Kategorie und wie sich jeder Verkäufer positioniert: wer über den Preis, wer über die Marke und wer über die Lieferzeit konkurriert.
Preise der direkten Wettbewerber bewerten
Direkte Wettbewerber verkaufen dasselbe oder ein nahezu identisches Produkt. Ihr Gesamtpreis (mit Versand), ihre Versandart (Prime oder nicht) und ihre Bewertungen erklären, warum sie die Buy Box gegen Sie gewinnen oder verlieren.
Bei wenigen Produkten reicht es, die Produktseiten von Hand zu prüfen. Bei einem großen Sortiment brauchen Sie ein Tool zur Überwachung der Wettbewerberpreise, das Preisänderungen und den Preisverlauf aufzeichnet. Erweiterungen wie Keepa oder CamelCamelCamel zeigen den Preisverlauf eines einzelnen Produkts. Den vollständigen Ablauf beschreibt der Leitfaden Wettbewerberpreise auf Amazon Schritt für Schritt analysieren (auf Englisch).
Preisziele festlegen
Ein Preis auf Amazon braucht zwei klare Ziele: wie viel Sie pro Stück verdienen wollen und wie Sie sich gegenüber den Wettbewerbern positionieren. Beides legen Sie fest, bevor Sie auf den Preis des Wettbewerbers schauen, nicht danach.
Rentabilitätsziele definieren
Das Rentabilitätsziel ergibt einen Mindestpreis: den Preis, unter dem Sie nicht verkaufen, weil Sie nicht genug verdienen. Für die Berechnung ziehen Sie vom Verkaufspreis die Mehrwertsteuer, die Amazon-Gebühr, den Versand und den Einkaufspreis ab.
Das folgende Beispiel verwendet angenommene Beträge für ein Produkt, das auf Amazon.de mit 19 % Mehrwertsteuer, 15 % Verkaufsgebühr und Versand durch Amazon verkauft wird. Die Mehrwertsteuer, die Amazon auf seine Gebühren berechnet, ist nicht eingerechnet, weil ein in Deutschland umsatzsteuerpflichtiger Händler sie als Vorsteuer abziehen kann.
| Position | Betrag | Berechnung |
|---|---|---|
| Verkaufspreis (inkl. MwSt.) | 29,99 € | Preis auf der Produktseite |
| Mehrwertsteuer (19 %) | 4,79 € | 29,99 − 29,99 / 1,19 |
| Preis ohne MwSt. | 25,20 € | 29,99 / 1,19 |
| Verkaufsgebühr (15 %) | 4,50 € | 15 % von 29,99 € |
| Versandgebühr (angenommen) | 3,50 € | Nach Größe und Gewicht |
| Einkaufspreis | 12,00 € | Preis beim Lieferanten |
| Gewinn pro Stück (netto) | 5,20 € | 25,20 − 4,50 − 3,50 − 12,00 |
| Marge auf den Preis ohne MwSt. | 20,6 % | 5,20 / 25,20 |
Der Mindestpreis ergibt sich, wenn Sie dieselbe Rechnung umstellen. Wollen Sie mindestens 2,00 € pro Stück verdienen, muss der Preis inklusive MwSt. diese Bedingung erfüllen: Preis / 1,19 − 0,15 × Preis ≥ 12,00 + 3,50 + 2,00. Das ergibt 17,50 / 0,6903 = 25,35 €. Runden Sie im Zweifel auf, damit Sie nicht unter die 2 € fallen. Wenn Sie in Sponsored Products investieren oder Retouren haben, rechnen Sie deren Kosten pro Stück mit ein.
Mit derselben Formel liegt der Preis, bei dem der Gewinn null ist, bei 22,45 €. Senkt ein Wettbewerber auf 24,99 €, blieben Ihnen beim Mitziehen 1,75 € pro Stück: Sie verkaufen, aber unter Ihrem Ziel. Der Mindestpreis hilft, diese Entscheidung mit Zahlen zu treffen und nicht aus dem Reflex heraus. Was die Versandgebühr umfasst, erklärt der Beitrag So funktioniert der Verkauf mit Amazon FBA (auf Englisch).
Marke und Preis positionieren
Die Positionierung Ihrer Marke bestimmt, ob Ihr Preis über, auf oder unter dem Niveau der Wettbewerber liegen sollte. Eine eigene Marke mit guten Bewertungen kann einen höheren Preis halten. Ein No-Name-Produkt, das zehn Verkäufer auf derselben ASIN anbieten, kann das nicht.
Tritt Ihre Marke als Qualitäts- oder Premiumangebot auf, stärkt ein höherer Preis diesen wahrgenommenen Wert. Wollen Sie eine breite Zielgruppe erreichen und über den Preis konkurrieren, brauchen Sie niedrige Kosten, damit die Strategie tragfähig bleibt.
Welche Preisstrategien gibt es für Amazon-Verkäufer?
Amazon-Verkäufer nutzen vor allem vier Preisstrategien: Niedrigpreise, Hochpreise, wettbewerbsorientierte Preise und Dynamic Pricing. Sind die Wettbewerber analysiert und der Mindestpreis berechnet, wählen Sie die Strategie, die zu Ihrem Fall passt.
| Strategie | Wann sie passt | Hauptrisiko |
|---|---|---|
| Niedrigpreise | Einstieg in eine Kategorie oder Produkte mit hohem Umschlag und niedrigen Kosten | Geringe Marge und Preiskampf |
| Hochpreise | Eigene Marke oder exklusives Produkt mit klarem Mehrwert und guten Bewertungen | Weniger Conversion, wenn der Käufer den Unterschied nicht erkennt |
| Wettbewerbsorientierte Preise | Mehrere Verkäufer teilen sich dieselbe ASIN und konkurrieren um die Buy Box | Einem Wettbewerber folgen, der unter seinen Kosten verkauft |
| Dynamic Pricing | Großes Sortiment und Wettbewerber, die ihre Preise häufig ändern | Regeln ohne Mindestpreis, die den Preis immer weiter nach unten ziehen |
Niedrigpreisstrategie
Bei der Niedrigpreisstrategie liegen Ihre Preise unter denen der Wettbewerber, um Käufer zu gewinnen, die das günstigste Angebot suchen. Richtig eingesetzt, steigert sie den Absatz und Ihren Anteil in der Kategorie.
Die Grenze dieser Strategie ist der zuvor berechnete Mindestpreis. Darunter schmälert jeder Verkauf Ihren Gewinn. Ziehen die Wettbewerber mit, gewinnt niemand Marktanteile und alle verlieren Marge.
Hochpreisstrategie
Bei der Hochpreisstrategie liegen Ihre Preise über denen der Wettbewerber, um Qualität oder Exklusivität zu signalisieren. Sie funktioniert vor allem mit einer eigenen Marke, bei der Sie die Produktseite mit keinem anderen Verkäufer teilen.
Ein hoher Preis braucht eine sichtbare Begründung auf der Produktseite: bessere Materialien, Garantie, sorgfältige Fotos und Beschreibungen, viele Bewertungen. Fehlen diese Merkmale, wählt der Käufer die günstigere Alternative aus den Suchergebnissen.
Wettbewerbsorientierte Preisstrategie
Bei der wettbewerbsorientierten Preisstrategie liegen Ihre Preise nah an denen der direkten Wettbewerber, ohne große Abweichungen. Sie ist üblich, wenn sich mehrere Verkäufer dieselbe ASIN teilen.
Ein Preis gleich dem des Wettbewerbers garantiert Ihnen die Buy Box nicht, weil Amazon auch Versandart und Verkäuferkennzahlen berücksichtigt. Kombinieren Sie den wettbewerbsfähigen Preis deshalb mit gutem Service, statt nur auf den Cent genau mitzuziehen.
Dynamic Pricing
Beim Dynamic Pricing ändert sich der Preis automatisch nach Regeln: Position gegenüber den Wettbewerbern, Lagerbestand, Nachfrage oder Tageszeit. Die Regeln legt der Verkäufer fest, und eine Dynamic-Pricing-Software wendet sie auf das ganze Sortiment an.
Amazon bietet in Seller Central ein eigenes kostenloses Tool an, die Automatisierte Preisgestaltung. Die Unterschiede zu einem externen Tool (welche Daten es nutzt, ob es Wettbewerber außerhalb von Amazon einbezieht, wie es die Marge behandelt) vergleicht die Analyse Amazon Automate Pricing im Vergleich mit einem externen Repricer (auf Englisch). In beiden Fällen ist der Mindestpreis die Regel, auf die Sie nicht verzichten können: Ohne ihn drücken sich zwei Repricer gegenseitig den Preis, bis keine Marge mehr übrig ist.
Psychologische Preise und Rundung
Psychologische Preise setzen darauf, wie der Käufer eine Zahl wahrnimmt. Auf Amazon.de werden Preise inklusive Mehrwertsteuer angezeigt. Die Endung, die der Kunde sieht, ist also die des Endpreises.
Preise mit der Endung ,99 oder ,95
Preise mit der Endung ,99 oder ,95 sind im E-Commerce am häufigsten. Statt 10,00 € setzt der Verkäufer 9,99 € oder 9,95 €, weil Käufer zuerst die linke Ziffer lesen und den Preis als niedriger wahrnehmen.
Die Wirkung hängt von Kategorie und Käufertyp ab. Ob sie bei Ihnen funktioniert, erfahren Sie verlässlich nur, wenn Sie es mit Ihren eigenen Produkten testen und die Conversion-Rate über einige Wochen vergleichen. Bei einer geteilten ASIN können wenige Cent außerdem bei der Buy Box ins Gewicht fallen.
Ab- oder aufrunden
Beim Runden setzen Sie ganze Beträge wie 30 € oder 50 € statt Endungen auf ,99. Ein runder Preis wirkt einfach und vermittelt bei hochwertigen Produkten Qualität.
Abrunden lässt den Preis für den Kunden erschwinglicher wirken, Aufrunden verbindet ihn mit einem höherwertigen Produkt. Die Wahl hängt vom Produkt, von der Zielgruppe und vom Markenbild ab, das Sie vermitteln wollen.
Aktionen und Rabatte
Aktionen steigern Sichtbarkeit und Absatz zu bestimmten Zeitpunkten, aber jeder Rabatt geht von der Marge ab. Bevor Sie eine Aktion starten, sollten Sie wissen, wie viel Rabatt möglich ist, ohne unter Ihren Mindestpreis zu fallen.
Aktionsarten auf Amazon
Seller Central bietet mehrere Möglichkeiten, ein Produkt zu bewerben. Prüfen Sie in Seller Central, ob eine Aktion eine eigene Gebühr hat, denn diese kommt zur Verkaufsgebühr hinzu.
- Blitzangebote: zeitlich begrenzte Rabatte, die auf der Angebotsseite von Amazon erscheinen und Dringlichkeit erzeugen.
- Coupons: Rabatte, die der Kunde auf der Produktseite oder im Suchergebnis aktiviert, mit einem sichtbaren Hinweis, der das Produkt hervorhebt.
- Mengenrabatte: Rabatte beim Kauf mehrerer Einheiten, etwa 10 % ab zwei Stück, die den Bestellwert erhöhen.
- Prime-exklusive Rabatte: reduzierte Preise nur für Prime-Kunden, besonders präsent am Prime Day.
Rabatte gezielt für mehr Absatz einsetzen
Der maximale Rabatt eines Produkts ist die Differenz zwischen aktuellem Preis und Mindestpreis. Im Beispiel oben, mit einem Preis von 29,99 € und einem Mindestpreis von 25,35 €, liegt der maximale Rabatt bei 4,64 €, also 15,5 % des Verkaufspreises. Ein Coupon über 20 % würde bei diesem Produkt einen Verkauf unter dem Ziel bedeuten.
In der Europäischen Union muss jede Bekanntgabe einer Preisermäßigung als vorherigen Preis den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage angeben. So schreibt es die Richtlinie (EU) 2019/2161 (Omnibus-Richtlinie) vor. In Spanien hat das Gesetz 7/1996 in Artikel 20 (auf Spanisch) diese Regel übernommen. Den Preis wenige Tage vor einer Aktion anzuheben, um einen größeren Rabatt zu zeigen, bringt deshalb nichts und kann zusätzlich mit den oben beschriebenen Preiskontrollen von Amazon kollidieren.
Mit diesen Grundsätzen bringen Rabatte Gewinn statt Verlust:
- Rabatt von der Marge aus berechnen: Legen Sie den maximalen Prozentsatz ausgehend von Ihrem Mindestpreis fest und rechnen Sie die Gebühr der Aktion mit ein, falls es eine gibt.
- Den Zeitpunkt wählen: Rabatte in nachfrageschwachen Zeiten helfen, Bestand abzubauen. An Spitzentagen wie dem Prime Day oder dem Black Friday konkurrieren Sie mit sehr viel mehr Verkäufern, die gleichzeitig reduzieren.
- Segmentieren: Coupons und Prime-exklusive Rabatte erreichen eine Kundengruppe, ohne den Preis für alle zu senken.
Langfristige Preisstrategien
Neben der täglichen Reaktion auf die Wettbewerber braucht eine Preisstrategie auf Amazon eine regelmäßige Überprüfung mit gesammelten Daten. Historische Daten zeigen Muster, die eine Momentaufnahme nicht zeigt.
Historische Daten und Analysen nutzen
Der Verlauf von Verkäufen und Preisen Ihrer Produkte zeigt, bei welchem Preis Sie am meisten verkaufen, in welchen Monaten die Nachfrage steigt und wie die Wettbewerber auf Ihre bisherigen Änderungen reagiert haben. Mit diesen Daten entscheiden Sie im Voraus, wann Sie den Preis anheben, wann Sie ihn senken und wann Sie ihn nicht anfassen.
Die nützlichsten Größen sind Saisonalität, die Ergebnisse früherer Aktionen und das Verhalten der Wettbewerber. Ein Wettbewerber, der zum Monatsende immer seinen Preis senkt, erlaubt es zum Beispiel, die Reaktion vorzubereiten, statt sie zu improvisieren.
Preise an Markttrends anpassen
Der Markt auf Amazon ändert sich häufig: Neue Verkäufer kommen hinzu, andere haben keinen Bestand mehr, und die Nachfrage folgt der Saison. Wer einen Preis monatelang unverändert lässt, verkauft in manchen Wochen unter dem möglichen Preis und in anderen über dem Marktniveau.
Überwachen Sie die Preise Ihrer Wettbewerber regelmäßig und automatisieren Sie die Anpassungen mit Regeln, die Ihren Mindestpreis einhalten. Ein Amazon Repricer wendet diese Regeln auf das ganze Sortiment an, ohne dass Sie jede Produktseite einzeln prüfen.
Steigt die Nachfrage bei einem Produkt oder in einer Kategorie, können Sie den Preis schrittweise anheben. Hat ein Wettbewerber keinen Bestand mehr, ist das ebenfalls ein guter Moment, Marge zurückzugewinnen, statt beim Kampfpreis zu bleiben.
Fazit
Eine Preisstrategie für Amazon beruht auf wenigen Grundsätzen, die sich bei jedem Produkt wiederholen:
- Zuerst der Mindestpreis: Berechnen Sie für jedes Produkt den Preis, unter dem Sie nicht verkaufen, mit Mehrwertsteuer, Verkaufsgebühr, Versand und Einkaufspreis.
- Wettbewerbsfähige Preise mit Augenmaß: Den Wettbewerber zu erreichen oder zu unterbieten, ist nur über Ihrem Mindestpreis sinnvoll und wenn der Rest Ihres Angebots (Lieferung, Bewertungen) mithält.
- Den besten Preis durch Tests finden: Den Preis mit dem höchsten Gewinn, und auch die Wahl zwischen ,99 und rundem Betrag, finden Sie durch Tests mit Ihren Daten, nicht aus Gewohnheit.
- Wettbewerber im Blick behalten: Verfolgen Sie Preise, Bestand und Bewertungen Ihrer Wettbewerber, denn sie erklären, warum Sie die Buy Box gewinnen oder verlieren. Automatische Regeln ersparen Ihnen die Prüfung von Hand.
- Kennzahlen verfolgen: Gewinnmarge, Lagerumschlag, Werbekosten im Verhältnis zum Umsatz (ACoS) und Conversion-Rate zeigen, ob die Strategie funktioniert.
Die häufigsten Fehler bei der Umsetzung sammelt der Beitrag Die 6 häufigsten Preisfehler auf Amazon (auf Englisch).
Häufige Fragen
Kann ich die Preise meiner Produkte auf Amazon automatisch ändern lassen?
Ja, die Preise auf Amazon lassen sich automatisch ändern. Amazon bietet dafür in Seller Central das kostenlose Tool Automatisierte Preisgestaltung an, und externe Repricer ändern den Preis über die Amazon-API. In beiden Fällen legen Sie Regeln fest (zum Beispiel: mit dem Verkäufer in der Buy Box gleichziehen) und einen Mindestpreis, den das Tool nicht unterschreiten darf.
Wie finde ich die Wettbewerber in meiner Nische auf Amazon?
Die Wettbewerber in Ihrer Nische finden Sie, indem Sie auf Amazon nach den Suchbegriffen Ihres Produkts suchen und die Verkäufer prüfen, die sich Ihre ASIN teilen, sowie die Marken bei ähnlichen Produkten. Notieren Sie deren Gesamtpreis, Versandart und Bewertungen. Bei vielen Produkten zeichnet ein Tool zur Preisüberwachung diese Daten und ihren Verlauf automatisch auf.
Welche Kennzahlen sollte ich überwachen, um meine Preisstrategie zu bewerten?
Die vier grundlegenden Kennzahlen einer Preisstrategie auf Amazon sind die Gewinnmarge pro Stück, der Lagerumschlag, die Werbekosten im Verhältnis zum Umsatz (ACoS) und die Conversion-Rate der Produktseite. Bei Produkten mit mehreren Verkäufern kommt der Anteil der Zeit hinzu, in der Sie die Buy Box halten. Diesen Wert zeigt Seller Central in seinen Berichten.
Wie ermittle ich den optimalen Preis für den höchsten Gewinn?
Den optimalen Preis ermitteln Sie in zwei Schritten: Zuerst berechnen Sie den Mindestpreis mit allen Kosten und Gebühren. Danach testen Sie Preise über dieser Untergrenze und messen, welcher den höchsten Gesamtgewinn bringt, nicht nur die meisten Verkäufe. Damit der Vergleich fair ist, vergleichen Sie den Gesamtgewinn jedes Preises über dieselbe Zahl von Tagen. Das geht von Hand, indem Sie das Ergebnis jedes Preises festhalten, oder mit einer Dynamic-Pricing-Software.
Welche externen Faktoren beeinflussen den Erfolg meiner Preisstrategie auf Amazon?
Den größten Einfluss von außen haben die Marktnachfrage und ihre Saisonalität, die wirtschaftliche Lage und damit die Kaufkraft, neue oder ausscheidende Wettbewerber, fehlender Bestand bei Wettbewerbern und Amazon-Aktionstage wie der Prime Day oder der Black Friday.
Wie hängen Preisstrategie und Markenreputation auf Amazon zusammen?
Preis und Reputation verstärken sich gegenseitig. Ein Preis, der zur Qualität passt, führt zu guten Bewertungen, und gute Bewertungen erlauben höhere Preise, ohne Verkäufe zu verlieren. Ständige Preissenkungen können die Marke dagegen mit einem Billigprodukt verbinden.
Sollte ich meine Preise an die saisonale Nachfrage anpassen?
Ja, eine Anpassung an die saisonale Nachfrage ist sinnvoll, aber mit Vorsicht. In nachfragestarken Zeiten können Sie den Preis leicht anheben oder Rabatte reduzieren, ohne sich zu weit von den jüngsten Preisen des Produkts zu entfernen, die Amazon als Referenz nutzt. In ruhigen Zeiten helfen Aktionen, den Lagerumschlag zu halten.
Gibt es kostenlose Tools, um Preise auf Amazon zu verfolgen?
Ja, Keepa und CamelCamelCamel zeigen den Preisverlauf einzelner Amazon-Produkte und erlauben Preisalarme, mit kostenlosen und kostenpflichtigen Funktionen. Sie eignen sich, um einzelne Produkte nachzuschlagen. Um ein ganzes Sortiment gegen mehrere Wettbewerber zu verfolgen, brauchen Sie ein Tool zur Preisüberwachung.
Wie automatisieren Sie Ihren Amazon-Preis, ohne unter Ihre Mindestmarge zu fallen?
Um auf Amazon zu konkurrieren, ohne Marge zu verschenken, brauchen Sie aktuelle Wettbewerberpreise, einen Mindestpreis und automatische Regeln. Boardfy ist eine SaaS-Plattform für die Überwachung von Wettbewerberpreisen und Dynamic Pricing im E-Commerce, mit direkter Preisänderung auf Amazon, eBay, Google Shopping und Mirakl-Marktplätzen.
- Boardfy liest die Preise Ihrer Wettbewerber alle 6 Stunden (in manchen Fällen häufiger) aus, wendet Ihre Regeln alle 30 Minuten an und ändert Ihren Preis auf Amazon über die API.
- Boardfy berechnet Ihre Nettomarge aus dem Einkaufspreis, abzüglich der Amazon-Gebühr und der Kosten, die Sie zuordnen, und geht nie unter Ihren Mindestpreis.
- Boardfy zeigt, welcher Wettbewerber die Buy Box hält, eine Angabe, die sich jederzeit ändern kann.
Boardfy legt Ihre Strategie nicht fest: Boardfy wendet die Regeln an, die Sie definieren. Sie können Boardfy 7 Tage kostenlos testen, ohne Kreditkarte.